Geschichten

Wer sind eigentlich die Menschen, die von uns einen Sack voller Lebensmittel bekommen?

Wir durften einigen von ihnen ein paar Fragen stellen und so einen Einblick in ihr Leben und ihre aktuelle Situation gewinnen – und sie haben uns ihre Geschichte anvertraut. Dabei wurde uns wieder einmal bewusst: Das Leben verläuft nicht für jeden nach Plan. Viele geraten unverschuldet in Situationen, in denen sie auf Hilfe angewiesen sind. 

Wir danken allen, die uns so offen von sich erzählt haben – und ebenso allen, die es uns überhaupt erst möglich machen, zu helfen.

 

 

Diakon Hans-Wilhelm Schmitz

Die Ausgabe der Lebensmittelsäcke von „Helfen durch Geben – Der Sack e.V.“ ist für Diakon Hans-Wilhelm „Willi“ Schmitz ein besonderer Moment und zu einem solchen macht er es für die Bedürftigen seiner Gemeinde auch. Alle zwei Monate organisiert er mit der Hilfe eines kleinen Teams von freiwilligen Helfern die Übergabe im Gemeindehaus. Dort bekommen die Empfänger nicht nur ihren Sack voll mit Lebensmitteln, sondern es gibt auch Kaffee und selbstgemachten Kuchen für alle.

So haben alle die Möglichkeit zu einem sozialen Austausch in einem guten Gespräch. Alles auf Augenhöhe und ohne Bewertung. Gerade das ist für viele der fast 90 Empfänger sehr wichtig, denn die Teilnahme am öffentlichen Leben ist schwer, wenn man jeden Cent zweimal umdrehen muss. Darum lässt es sich Diakon Schmitz auch nicht nehmen, persönlich vor Ort zu sein. Im Bedarfsfall liefert er die Säcke auch selbst aus. So wird die Übergabe der Säcke für die Menschen zu einem besonderen und menschlich sehr wichtigen Ereignis.

Der persönliche Kontakt mit den von Armut Betroffenen ist dem Diakon wichtig, denn unsichtbare Armut ist ein reales Problem, nicht nur in seiner Gemeinde. Diese Armut hat viele Gesichter. Altersarmut, alleinerziehende mit mehreren Kindern – die Liste der Armutsrisiken ist lang, und die Zahl der Betroffenen nimmt stetig zu. Ein regelmäßiger Sack mit haltbaren Lebensmitteln hat für sie einen riesigen Wert, für viele ist er sogar lebensnotwendig. Er lässt den Menschen ein wenig Spielraum für andere elementare Dinge wie Kleidung, Hygieneartikel etc. und ist gerade auch für Familien eine spürbare Entlastung.

Bei Diakon Schmitz gibt es nicht nur den Sack, sondern auch ein bisschen „Normalität“, und das nehmen die Menschen dankbar an. 

Wir freuen uns, dass wir unseren Teil dazu beitragen können und danken ihm und seinem Team von ganzem Herzen für Ihren Einsatz.


Sylvia Hiergeist, 49

Sylvia Hiergeist ist gelernte Bürokauffrau, aber ihr Berufsleben war immer wieder von schwierigen Arbeitsbedingungen und Mobbingerfahrungen geprägt, die auch gesundheitliche Folgen hatten. 2005 bis 2009 machte sie den Abschluss zur Heilpraktikerin und versuchte sich selbstständig zu machen – ohne langfristigen Erfolg. Um sich weiter zu entwickeln, holte sie zwischen 2015 und 2017 ihr Fachabitur nach und arbeitete danach als Fachkraft für Hörakustik, in ihrem dritten Ausbildungsberuf.

Seit Dezember 2024 ist sie aus gesundheitlichen Gründen verrentet und lebt heute in einem ambulant betreuten Wohnangebot. Die steigenden Kosten für Miete und Energie setzen ihr, wie vielen Menschen in unserer Stadt, stark zu. „Im Moment schneiden einem die steigenden Kosten für Miete und Energie gefühlt den Hals ab“, sagt sie.

Konzerte, Comedy, Kino oder andere soziale und kulturelle Angebote kann sie sich heute nicht mehr leisten, umso wichtiger ist die Lebensmittelhilfe von Helfen durch Geben – Der Sack e.V. Diese ist alle zwei Monate fest für sie fest eingeplant. Besonders wichtig im Sack ist dabei für sie das Päckchen Kaffee – denn das ist für Sie „superbitternötig“.

Vera Kremer, 75

Vera Kremer kam nach einer Scheidung mit der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland.

Hier arbeitete sie als Putzhilfe, in einer Großküche und zeitweise auch im Sicherheitsdienst. Trotz Asthma versuchte sie immer selbst für ihren Lebensunterhalt und ihre Kinder zu sorgen.

Seit einem Krankenhausaufenthalt 2013 sitzt sie aber im Rollstuhl und kann nicht mehr arbeiten. Seitdem ist Sie auf ihre niedrige Rente angewiesen. 

Darum bekommt Sie Unterstützung von unserem Verein „Helfen durch Geben – Der Sack e.V.“. Anfangs fiel es ihr schwer, um Hilfe zu bitten, aber heute sind die Lebensmittel für sie eine wichtige Reserve, besonders am Monatsende. Andere Dinge wie Theater, Philharmonie oder Kinoabende sind für sie längst unerschwinglicher Luxus geworden.

Willi Schröter, 75

Willi Schröter hat mehr als 30 Jahre gearbeitet. Viele Jahre davon körperlich schwer, unter anderem als Heizungsbauer. Später war er auch noch in einem Reisebüro und anderen Jobs tätig.

Nach einem Unfall musste er früher in Rente gehen, aber diese Rente ist knapp. Wenn Miete, Strom und Medikamente bezahlt sind, bleibt am Monatsende nichts übrig. Neue Möbel oder ein Urlaub sind für ihn unvorstellbar geworden. Auch ein Besuch im Stadion beim 1. FC Köln oder bei den Kölner Haien, Kino oder Theater – all das kann er sich nicht mehr leisten. Zusätzlich ist durch seinen Rollator auch im Alltag vieles schwieriger geworden und sein Bewegungsradius ist stark begrenzt. Sein einziges Hobby ist seine Modelleisenbahn – ein Erbe seines Vaters.

Um Hilfe zu bitten, fiel ihm lange schwer. Heute kommt er regelmäßig zur Lebensmittelausgabe von Helfen durch Geben – Der Sack e.V. in Köln. Die Lebensmittel sind für ihn keine Reserve, sondern fest im Monatsbudget eingeplant.

Fragt man ihn nach seinem Leben, so lautet sein ernüchterndes Fazit: „Ich habe im Leben einfach kein Glück gehabt.“